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Wappen aus dem Kreis Goslar
Lilienglocke und Reichsgeschichte
Wappen mit Lilien sind in der Heraldik recht häufig, aber die goldene Lilie im blauen Wappenschild von Lochtum ist unverwechselbar und wohl einmalig. Ihr Stiel geht in eine goldene Glocke über.Dieses markante Wappen beschloß der Rat der damals noch selbständigen Gemeinde am 19. März 1965, und der Braunschweigische Verwaltungspräsident genehmigte es am 6. August desselben Jahres.Mit der Glockenlilie hat es folgende Bewandtnis. Als "normale" Lilie entstammt sie dem Siegel des Heinrich von Lochtum (in der damaligen Schreibweise Henricus de Locten) an einer im Goslarer Urkundenbuch verzeichneten Urkunde aus dem Jahre 1397. Es ist anzunehmen, daß dieser Henricus sich nach dem Ort benannte, weil er entweder von dort stammte oder einem ortsadeligen Geschlecht angehörte. Als Wappenfarben wählte man die der Herren von König, die von 1482 bis 1866 in Lochtum nachgewiesen sind. Allerdings wäre eine Lilie in der üblichen Form, wie sie beispielsweise auch das Schildbild von Florenz ist, anderen Wappen zum Verwechseln ähnlich gewesen, jedenfalls bei nicht farbiger Darstellung. Also fügte man ihr eine Glocke an, die gleichsam zur Erinnerung an reichsgeschichtliche Vorgänge vor mehr als 900 Jahren läutet.
Erzbischof Adalbert 1. von Bremen, Erzieher des noch jungen deutschen Königs Heinrich IV. und de facto Regent des Reichs, mußte auf dem Reichstag zu Tribur 1066 seinem Widersacher, dem Erzbischof Anno von Köln, zeitweilig weichen. Also zog er sich vorübergehend auf sein Eigengut nach Lochtum zurück. Hier betete er in einer Hofkirche, einer romanischen Marienkapelle, die erst vor 60 Jahren abgebrochen wurde. Von dieser Kapelle sind zwei Dinge übriggeblieben: eine kleine Stundenglocke im Goslarer Museum und das Glöckchen im Lochtumer Wappen.
Mit diesem ist Lochtum, seit dem 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Vienenburg, im dortigen Rathaus auf der schönen Wappenplastik inmitten der übrigen Ortsteilwappen vertreten.
Lochtum besitzt auch eine Flagge, die als Hängeflagge wie auch als Hißflagge gezeigt werden kann und dem Ort zugleich mit dem Wappen genehmigt wurde. Sie besteht aus drei Streifen Blau - Gelb - Blau (in waagerechter Form, in der Hißflagge, im Verhältnis 1,3 zu 1 zu 1,3; in der senkrechten Hängeflagge im Verhältnis 1,2 zu 1 zu 1,2) mit dem auf die optische Mitte - aufgelegten Wappenschild.